Wenn sich die Gegnerfraktion einschleicht…

Wenn sich die Gegnerfraktion einschleicht…

…und ein Paradebeispiel dafür bietet, dass wir Sexarbeiter*innen von eben diesen überhaupt nicht ernst genommen werden! Und leider auch deutlich macht, wie unmöglich es ist mit solchen Menschen eine konstruktive Auseinandersetzung zum Thema Sexarbeit zu führen.

Sarkasmus, Lügen, Manipulation und absurde Analogien

Damit ihr wisst wovon ich hier schreibe, gehts hier zum besagten Artikel:  Kontext 

Ein Artikel der dafür sorgte, dass ich gestern unglaublich sauer auf mich selber war – zum einem weil ich nicht über ALLE angemeldeten Presseleute ALLE entsprechenden Infos eingeholt hatte, zum anderen über den Text an sich und über die Art und Weise wie Menschen den Journalismus so missbrauchen können. Bei der Einhaltung ihres Berufskodex* einfach mal ganz tief ins Klo gegriffen: Fern ab von neutraler Berichterstattung.

Nach jeder Menge guter Presse – als Echo auf unsere Pressekonferenz, die Laufhausführung und die Kundgebung der letzten Woche hier in Stuttgart, war er dann da: „Der Artikel den man ganz sicher nicht lesen möchte, wenn man sich gerade sehr intensiv politisch für seine Grundrechte und seine Berufsgruppe eingesetzt hat!“ 

Ich wollte niemals politische Arbeit machen. Ich wollte vor allem nicht als Sexarbeiterin im Fernsehen landen, geschweige denn Demos organisieren oder mich mit Journalismus auseinander setzen. Da Sexarbeit KEINE Lobby hat außer die Sexarbeitenden selber und das Thema weder in der Politik noch in den Medien fair behandelt wird, blieb mir bei meinem hohen Sinn für Gerechtigkeit irgendwann aber gar nichts anderes mehr übrigens als mich politisch zu engagieren. 

Ja, es mag unglaublich naiv klingen, aber was mich jetzt dabei  am meisten umtreibt ist der Fakt, dass ich nicht ernst genommen werde!

Einen solchen Tag, wie den 6. August 2020 zu organisieren ist ein unglaublich anstrengendes Unterfangen, kostet sehr viel Zeit und Energie, bringt kein Geld und war trotzdem unabdingbar – vor allem in Stuttgart. Das Stigma und die Diskriminierung ist riesig und wie sollen wir ohne politisches Engagement zu einer Anerkennung der Sexarbeit kommen. Überall wird ständig über uns anstatt mit uns geredet. 

So bin ich dann doch in diesem politischen Feld gelandet und Frau Stiefel nutzt ihre Stellung bei der Kontextwochenzeitung um ihre „persönliche Meinung“ zu einem möglichen Prostitutionsverbot zu verbreiten und scheut dabei weder vor Lügen noch vor Manipulation zurück. Das nehme ich irgendwie persönlich, als würde jemand mein Engagement und meinen Berufstand mit Füßen treten. (Ja, ich weiß, ich sollte das nicht persönlich nehmen…) 

Und Frau Stiefel hat es ebenfalls getan: Sie hat nicht mit uns geredet, sondern jetzt redet sie über uns! Denn Frau Stiefel hat nicht eine Frage gestellt. Sie hätte die Chance gehabt, mit uns einen offenen Austausch zu führen. Aber nein, sie missbraucht ihren Pressekodex um ihre persönliche Meinung kund zu tun und unsere Aktion ins Lächerliche zu ziehen.

In ihrem Artikel nutzt sie jede Form der rhetorischen Manipulation um den Leser emotional zu beeinflussen, hier zum Beispiel: „….die Tattoo-Dichte auch. Masken tragen alle, beliebt bei Männern aus dem Milieu: Totenkopfmaske, die ein grimmiges Lächeln ins Gesicht friert.“ Was genau trägt das zur Sache bei?

„Die Show für die Presse ist ein bisschen wie ein Tag der offenen Tür bei der Bundeswehr. Keiner redet über Krieg, alle bestaunen die Gewehre, und wer Glück hat, darf am Ende Panzer fahren!“ schreibt Frau Stiefel. Merkwürdige Analogie würde ich sagen, was sie damit bezweckt, kann ich nur mutmaßen. Prostitution mit Krieg gleich zu setzen? Braucht man das, wenn einem die Argumente fehlen? Oh – jetzt werde ich auch sarkastisch – ein Übel das ich der Frau Stiefel vorwerfe – und nun tappe ich selber in die Falle. Verzeihung, aber diese Berichterstattung ist auf keiner Ebene fair, da fällt es mir wirklich schwer mich selbst anständig zu verhalten.

„Man könnte meinen, der Sex-Job sei ein Riesen-Spaß…“, 

„…Barsesselchen…“, …und schwupps, so ganz nebenbei…“, ,„…Knöpfchen drücken…“, „…hier im Tabeldance-Schuppen…“, „…sexy Effekt“…, „…außerdem hätten sie ein super Hygienekonzept…“. Auch bei mehrfachem Lesen finde ich kaum einen Satz der wirklich ernst gemeint ist. Das meiste wird ins Lächerliche gezogen, übertrieben dargestellt und merkwürdig betont, so das der Leser gar nicht die Möglichkeit bekommt, sich ein neutrales Bild des Geschehens zu machen.

Auch an Lügen wird natürlich im Artikel  auch nicht gespart: „Menschenhandel, Zwangsprostitution oder Gewalt sind kein Thema im Messalina im Stuttgarter Rotlichtviertel.“ Wer dabei war weiß, das das Thema Prostitution im Verborgenen während der momentanen Situation, eines der wichtigen Themen auf der Pressekonferenz und auch auf der Kundgebung war. Die Not der Frauen, die keine Soforthilfe bekommen haben, die keinen festen Wohnsitz haben etc., und jetzt heimlich arbeiten müssen ist gravierend und benötigt dringend Unterstützung. Das ist einer der Gründe, warum wir fordern, dass wir wieder arbeiten dürfen. Alle Sexarbeitenden die jetzt gerade arbeiten müssen, weil ihnen nichts anderes übrig bleibt, sind widrigen Umständen ausgesetzt. Da sie gerade illegal arbeiten, sind sie erpressbar und können sich in Nöten an niemanden wenden. 

Aber zurück zum Thema Lügen und Manipulation: „In Schweden, wo Sexkauf verboten ist, gelten Männer, die eine Frau nur über Geld ins Bett kriegen, längst als Loser“ heisst es! So ein Quatsch! Wieder erzeugt sie, mit einer nicht nachweisbaren Aussagen, Emotionen beim Leser….weil es ja auch so viele Studien und Statistiken dazu gibt, dass Männer die Sexarbeit in Anspruch nehmen Loser sind. „Und jeden Tag gehen in Deutschland eine Million Männer ins Bordell!“ ist die nächste Unwahrheit die in den Raum gestellt wird. Denn wenn nicht einmal klar ist, wie viele Sexarbeiter*innen es in Deutschland gibt, wie kann dann eine solche Zahl entstehen? 

Nun nachdem ich diesen Beitrag geschrieben habe, finde ich es nur noch halb so wild, was Frau Stiefel aus ihrem Artikel gemacht hat. Wie gesagt, ein Paradebeispiel dafür wie die Gegnerfraktion mit uns Sexarbeiter*innen umgehen. Nämlich das lieber über uns als mit uns geredet wird.

Dennoch, ein bitterer Beigeschmack bleibt, denn ich mag es nicht, wenn jemand mich nicht ernst nimmt und sich über mich lustig macht. 

Im Übrigen, uns (allen Aktivist*innen in der Sexarbeit die ich kenne und mir) ist durchaus bewusst, dass es Menschenhandel und Gewalt in der Prostitution gibt. Wir sind jederzeit dazu bereit, darüber zu sprechen und es ist uns ein Anliegen, uns für bessere Bedingungen und vernünftige Rechte zu engagieren. 

*Mehr zu adäquatem Journahttps://www.presserat.de

 

Impressionen der Kundgebung und Presse vom 6. August 2020

😅 Ich sage euch, „DAS war vielleicht ein Ritt“ in der letzten Woche. Ich glaube, ich war nicht zuvor in meinem Leben so angespannt und so aufgeregt wie von Mittwoch, den 5.8. zum Tag nach der Demo. Samstagmorgen kam ich von den unzähligen Adrenalinschüben so langsam wieder runter.

Wenn man Veranstalterin ist, dann ist „Frau“ Ansprechpartnerin für alles und alle. Dass hatte ich unterschätzt als ich vor rund vier Wochen dachte, ich könnte mich den Demos in Deutschland anschließen und eine Kundgebung für Stuttgart organisieren. Johanna Weber vom Berufsverband erotischer und sexueller Dienstleistungen (BesD) war davon begeistert, „Oh ja, mit Pressekonferenz und Laufhausführung!“ Und so stand es dann…

Aus allen Ecken kamen im Vorfeld schon liebe Menschen um mich zu unterstützen, Mut wurde zugesprochen, Flyer wurden entworfen, die Kundgebung wurde angemeldet und Alraune hat sich dann glücklicherweise als zweite Organisatorin angeboten.

Wusstest ihr, dass die Menschen von der Presse manchmal alles wollen und zwar sofort. Am Vortag vor der Demo – inmitten vom Malen der Plakate und vor dem Empfang von Stephanie Klee vom BSD und Nicole und Nadine aus Trier und Köln – habe ich dann nochmal den SWR empfangen und Ihnen für 1,5 Stunden meinen Arbeitsplatz gezeigt. Eigentlich war mir dass alles viel zu viel, aber natürlich wollte ich dass sie Presse gut über uns berichtet und habe das Interview somit noch eingeschoben.

Und ich bin sehr, sehr dankbar – der Beitrag ist super toll geworden – seht selbst.

Nun, tatsächlich war ich am selben Abend nach dem ganzen Tamtam im Fernsehen. Über all diese Dinge hatte ich mir im Vorfeld ehrlich gesagt wenig Gedanken gemacht. Das ganze Programm, Rechtschreibfehler korrigieren, Menschen finden die auf der Pressekonferenz und auf der Kundgebung sprechen, Termine organisieren, Leute informieren, mit den unterschiedlichen Beteiligten kommunizieren etc. – all das hat bereits all meine volle Aufmerksamkeit benötigt.

Der Journalist von der BILD war eine herausfordernde Geduldsprobe, der Herr hat uns nämlich inmitten der Vorbereitung zur Kundgebung, hin und her geschoben wie kleine Mädchen aus Pappmaché und auch genauso mit uns geredet. Ich wäre am Liebsten ausgeflippt und hätte ihm gezeigt, was Respekt bedeutet. Bin ich natürlich nicht, freundlich wie ich bin – ich wollt ja am nächsten Tag nichts von einer zickigen Organisatorin lesen. Habe ich dann auch nicht gelesen 😂 dafür hat der Kerl Stephanie Klee zur Veranstalterin gemacht und mich zur Sexualpädagogin anstatt zur Therapeutin. Aber „Alles in Allem“ trotzdem gute Presse.

Meine Befürchtung, die Stuttgarter Politik die wir auch gern auf uns aufmerksam machen wollten – macht sich vermutlich aus alledem nichts. Da müssen wir hier wohl am Ball bleiben.

Aber allein für die Vernetzung hier in Stuttgart war das ganze gigantisch 🥰 Ich habe verschiedene Betreiber kennengelernt, Laura Holding Hoppenheit LINKE Stadträtin, der tolle Leiter der AIDSHilfe Franz Kieler, das Café Strichpunkt, die Quere SPD, Leute von den Piraten, Beratungsstellen etc. waren dabei…. sehr sehr gut – für den Anfang!

Also liebe Leute haltet uns die Daumen. Irgendwann müssen wir doch wieder arbeiten dürfen. In Berlin geht es nun auch seit Samstag wieder 😃

Hier noch ein paar Fotos und euch einen tollen Tag.

Ach ja, ich habe mir vor lauter Anfragen der Presse nun einen Nachnamen zugelegt… Irgendwann hatte ich ihn im Kopf – eine Bedeutung gibt es nicht. Für mich bedeutet er „im Fließen“ zu sein.

Herzlichst Daria Oniér

Und ein riesen Dankeschön nochmals an alle, die dabei waren:

an alle die im Hintergrund geholfen haben

alle die, die uns von irgendwoher unterstützt haben

an euch treue Leser

Nicole, Johanna, Nadine, MadameKALI, Frank, Patrick, Achim, Jan, Leona, Lou, Sarah, Elke und Markus, Steffi, Julia, Maren, Frank, Leo, Alraune, Norbert, Laura, Nick, Maja, Arachne, John Heer, Johanna Köln, Rainer und allen anderen die ich jetzt vielleicht vergessen habe 🙏

Demonstration damit die Bordelle wieder öffnen.

SexworkerDemo am 06. August in Stuttgart

Wir wollen wieder arbeiten!!! #RotlichtAN

In Belgien, in der Schweiz, in den Niederlanden, in Tschechien und in Österreich ist Sexarbeit bereits seit z.T. Wochen wieder erlaubt. Trotz der Lockerungen in den meisten Branchen bleiben Prostitutionsstätten fast deutschlandweit geschlossen.

In nur wenigen Städten und Bundesländern gibt es jedoch kleinere Lichtblicke und Wohnungsprostitution ist wieder erlaubt und ein paar Betriebe werden Schritt für Schritt unter Hygienekonzepten wieder geöffnet.

In Stuttgart hingegen wurde die Situation nocheinmal verschärft und seit dem vergangenen Samstag herrscht ein Komplett-Verbot der Prostitution in Stuttgart.

HIER gehts zur Allgemeinverfügung -> https://www.stuttgart.de/img/mdb/item/698984/155558.pdf

Nach lautstarken Protesten in Berlin und Hamburg fordern Sexarbeiter*Innen, Betreiber*innen, Fachberatungsstellen sowie der Berufsverband für Sexarbeiter*innen (BesD e.V.) und der Bundesverband für Betreiber*innen (BSD e.V.) nun auch in Köln ein Ende des Berufsverbot. Dort wird es am 29.Juli eine Demo geben – weitere Infos hierzu findet Ihr hier: Köln

Und wir machen HIER weiter und zwar am 6. August 2020

Unser Programm:

14 Uhr Pressekonferenz (nur für die Presse) im Messalina, Leonhardstraße 7

15 Uhr und 15:30 Uhr je eine Laufhausführung im City-Eroscenter, Leonhardstraße 7 – für alle Interessierten (Nur mit vorheriger Anmeldung zur Einhaltung der Coronaregelungen)

16 Uhr Kundgebung Wilhelmsplatz

Wir freuen uns über jede Unterstützung und zahlreiches Erscheinen!

Lady Leona, Alraune und Daria

Fragen und Anregungen gerne bei mir: Daria

Anmeldung zur Laufhausführung bei Alraune: 0151-59447074

Mein Statement

Hier stehe ich am 2. Juni dem #InternationalenHurentag 2020 

Ich stehe hier heute, 

für meine Freiheit als #Mensch!

Für meine #Freiheit als #SexarbeiterIn!

Für die Anerkennung, dass Sexarbeit Arbeit ist! #SexarbeitistArbeit #sexworkiswork

Für den Erhalt der #Sexarbeit!

Für Verbesserung der Rechte und Bedingungen in der Sexarbeit.

Für eine #Entkriminalisierung der Sexarbeit! 

Für eine #Entdiskriminierung der Sexarbeit!

Für #Ermächtigung #Akzeptanz #Respekt und #Toleranz von Frauen, Männer und Transmenschen in der Sexarbeit!

Dafür, dass man uns Sexarbeiter*innen zuhört und nicht mehr über uns redet!

Dafür, dass alle Menschen, egal welchen Geschlechts in ihrer Sexualität und ihren Bedürfnissen ernst genommen werden!

Dafür, dass jeder Mensch seine #Sexualität frei leben kann, so wie er es möchte – unabhängig von Geschlecht, Hautfarbe oder Nationalität! 

Ein Hoch auf uns Menschen und auf die #Huren in aller Welt und auf #Sexualität und #Intimität

Happy #Hurentag #internationalwhoresday

#RotlichAN die II – Selfies

Vielen herzlichen Dank eure und Ihre Unterstützung (Sie/ihr könnt auch gerne weiterhin an der Aktion teilnehmen).

Hier die Selfies für #RotlichAN, die mich ganz persönlich erreicht haben, von Menschen die uns so toll unterstürtzen – ich bin ganz happy darüber – ganz vielen Dank euch 🙏

Natürlich ist die Liste endlos zu aktualisieren 😉 und ich freue mich immer über neue Bilder.

#RotlichtAN

Liebe Gäste, liebe Sklaven, liebe Neugierige,

als Mitglieder vom Berufsverband Sexarbeit (von Sexworker für Sexworker) nehmen meine Freundinnen und ich natürlich auch, an der Aktion #RotlichtAN – „FÜR legales Arbeiten – GEGEN Sexkaufverbot“, teil.

Bei dieser Aktion können ALLE mitmachen – nicht nur Sexworker.

Nachdem zuletzt mal wieder sehr öffentlichkeitswirksam das Sexkaufverbot gefordert wurde, wollen wir zum internationalen Hurentag am 2. Juni ein Zeichen gegen diese Diskriminierung setzen.

https://berufsverband-sexarbeit.de/index…rotlichtan

Es wäre unglaublich toll, wenn Du/Sie auch bereit wären ein Selfie mit dem #RotlichtAN auf deinem Profil z.B. bei Twitter zu posten und andere animieren mitzumachen <3

Unten nochmal das HOW TO #RotlichtAN

HOW TO Online-Protest – auch anonym möglich

Herzliche Grüße

Miss Daria

Weitere Infos:

Mache ein Selfie von dir – in quer, optimal 500*375

…mit einer geschriebenen oder ausgedruckten Botschaft zum Thema „FÜR legales Arbeiten – GEGEN Sexkaufverbot“
ODER  nutze unsere Logos und posiere damit
ODER nimm eine rote Lampe mit dazu
ODER denk dir was aus…
Du kannst auch mit Maske oder Sonnenbrille teilnehmen.
Das Stigma um Sexarbeit ist immer noch extrem hoch, und du musst dich nicht outen.

Was machst du mit dem Bild?

a) Sende dein Bild an
Johanna -> Mail: johanna@besd-ev.de oder WhatsApp 0151-17519771 oder
Charlie -> Mail: charlie@besd-ev.de oder telegram: @CharlieHansen
Bitte hinzufügen:
• Name oder Künstlername
• wenn möglich: Beruf und Stadt
• wenn vorhanden Webseite (auf Wunsch verlinken wir dein Selfie
Wir stellen es hier auf die Webseite und posten es auf unseren Kanälen bei Twitter und Facebook

b) Poste es selbst in den sozialen Medien mit dem #RotlichtAN
Wir retweeten diese #RotlichtAN Botschaften natürlich

Aktion zum internationalen HurenTag vom BesD

Sprich mit uns statt über uns! 🙂 Diese Veranstaltung findet online statt, ist kostenfrei und steht allen Menschen offen. Den Teilnahmelink für die Zoom-Konferenz findest Du am Tag der Veranstaltung auf unserer Website.  

Vielleicht liest Du öfter mal in der Zeitung von Sexarbeit und fragst Dich, was das eigentlich für Menschen sind, die sich diesen doch eher ungewöhnlichen Beruf ausgesucht haben? Vielleicht hast Du dich einfach nie getraut in ein Bordell zu gehen, eine Escort oder einen Callboy zu buchen oder zu einer Bizarrlady zu gehen? Vielleicht wünscht Du Dir, Du könntest mal ehrlich mit jemanden, der Dich nicht verurteilt, über Sexualität oder andere „Tabuthemen“ sprechen? Vielleicht hast Du schon öfter erotische Dienstleistungen gebucht, aber Du fändest es mal spannend mehr darüber zu erfahren, was „hinter den Kulissen“ so passiert?

Am internationalen HurenTag hat der BesD sich etwas besonderes ausgedacht.

Es wird am 2. Juni in der Zeit von 18:30 und 20 Uhr möglich sein „online“ mit vielen Sexarbeiter*Innen des Projektes Meet a Sexworker auf Zoom in den Abend zu starten.

Du hast dort die Möglichkeit Sexarbeiter*innen sprechen zu hören, anzuschauen und alle Fragen zu stellen, Du die stellen magst. Oder Du beobachtest nur das Geschehen.

Ich bin natürlich auch dabei und wir freuen uns auf Dich.

Daria im Namen des Besd

Glaubenssätze, Meinungsfreiheit und nicht belegte Informationen

In diesen Zeiten des Corona scheinen sich die Fronten verschiedener Richtungen zu verhärten und Aggressivität nimmt zu. Egal, wo man hinschaut, Verschwörungstheorien, Widerstände, und auch die Seite der Regierung wird dominanter – das sagt mir zumindest mein Gefühl.

An diesem Wochenende hatte ich einen sehr speziellen Konflikt mit mir selber und mit einer Veranstaltung auf der ich war, sowie mit den Folgen eines Posts dazu auf Facebook.

Es begann Freitagnacht, als ich eine Einladung, bzw. ein Video von einem Freund bekam für eine Meditation am Schlossplatz in Stuttgart, für den Erhalt unserer Grundrechte. Ich habe mir das Video nachts noch angesehen und entschieden, dass ich dorthin gehen möchte um für meine Rechte friedlich und in Stille eine Stunde lang zu sitzen.

Für die Grundrechte – weil meine Beobachtung der politischen Situation mir Sorgen bereitet – die Diskussionen über Zwangsimpfungen, CoronaApps und Mundschutzpflicht schnüren mir die Kehle zu und machen mir eindeutig mehr Angst als das Virus selbst. Und ich möchte zum Ausdruck bringen, dass ich es ebenfalls besorgniserregend finde, dass sich die Masse der Menschen in Deutschland innerhalb von kürzester Zeit „ent-mächtigen“ lässt. Alle machen vorbehaltlos was die Regierung sagt und es gibt keinerlei Chance etwas anders zu machen und die Menschen, die versuchen zu hinterfragen was gerade passiert, werden denunziert. 

Heute ist der 27. April 2020 – der Lockdown läuft seit 5 Wochen und die Krankenhäuser in Deutschland sind immer noch “leer“. Ja, es sind Menschen an dem Virus gestorben und dennoch sterben viele andere Menschen z.B. an Herzproblemen, weil sie nicht operiert werden können – um die Intensivbetten frei zu halten. Man sollte meinen, dass es nach fünf Wochen nun Lockerungen geben sollte – was ja angekündigt wurde. Aber, das was passiert: „Ab heute gibt es überall in Geschäften und in den öffentlichen Verkehrsmitteln eine Mundschutz-Pflicht!“ 

Man kann davon halten was man möchte, ich beobachte dass die Menschen zunehmend ungehaltener werden und auch die, die sich zu Hause streng an die Isolation halten, langsam aber sicher am Rande ihrer Kapazitäten sind.

Aber zurück zu meinem eigentlichen Thema – Am Samstagmorgen habe ich das Video nochmal angesehen und bei Facebook geteilt um zu schauen, ob noch jemand mit dorthin kommt. Sofort, innerhalb weniger Minuten, habe ich eine Nachricht von einer Freundin bekommen: „Du hast grad etwas von „dem Sender“ gepostet, die sind „rechts“ – dass solltest Du nicht tun!!“ 
Ich wurde von zwei Leuten angehalten, den Post zu löschen und zwar ohne dass ich überhaupt wusste ob das stimmt oder nicht.

Natürlich war ich sofort verunsichert und begann mit mir zu hadern. Wie finde ich raus, ob das stimmt? Ich schrieb ihr dann zurück und bat sie, mir Informationen hierzu zu geben. Sie schickte mir umgehend einen Artikel zu, der vermuten lassen könnte, dass an ihrer Aussage etwas dran sei – aber eben auch nicht mehr. Keinen Beweis und keine Fakten – jemand behauptet etwas über jemand anderen. Ich habe weiter recherchiert und nichts Haltbares gefunden. 

Natürlich möchte ich nicht mit „rechts“-orientierten Menschen in Verbindung gebracht werden – ich bin unparteiisch, und halte unsere Politik am ehesten “korrupt für Korrupt“. Ich bin selber nicht „käuflich“, und kämpfe letzten Endes immer für das Individuum. Egal ob weiß, braun, grau, dick, dünn, männlich, weiblich, trans, behindert… Der Mensch und die Gerechtigkeit sind mir wichtig. 

Den Post bei Facebook  habe ich erstmal stehen lassen (auch wenn es mir schwer fiel) und mich mit zwei weiteren Freunden ausgetauscht, ob ich nun auf diese Meditation gehen kann oder nicht. Im Laufe des Vormittags entschied ich mich dann zu gehen und mir selbst ein Bild davon zu machen, von dem, was ich dort vorfinden würde. Ich habe mir ein Schildchen gebastelt: „Friedlich fürs Grundgesetz!“ und bin am Nachmittag in die Stadt geradelt. Am Schlossplatz angelangt, war ich überrascht über die Menschenmassen (es waren zwischen 300 und 500 Menschen dort versammelt). Es gab letzten Endes nur eine sehr kleine Gruppe die meditierte.

Ich hatte den Eindruck, dass dort scheinbar mehrere Veranstaltungen zur selben Zeit stattfanden. Da ich so viele Menschen traf die ich vom Tanzen kannte, blieb ich bei der großen Gruppe anstatt zu den Meditierenden zu gehen. Den Sprecher fand ich (so mein Bauchgefühl) ein wenig fragwürdig, blieb aber trotzdem fast bis zum Schluss – denn das, was er sagte, fand ich schlüssig. Der ganze Nachmittag und die Demo verliefen friedlich und es ist dort nichts geschehen, was darauf hinweisen könnte das jemand am Platz politisch rechts orientiert gewesen wäre.

Später am Tag war ich noch verabredet und beschäftigte mich nicht weiter mit dem Thema. Bis ich am Sonntagmittag, bei Facebook aufgrund des Videos was ich geteilt hatte, attackiert wurde. Ich möchte gar nicht wiedergeben, was genau dort geschrieben wurde aber die Botschaft war: „Du bist ein naives Ding und somit eine Unterstützung der rechten Szene!“ Ich wurde „entfreundet“ und die Frau, die mich angegangen hatte empörte sich dann auf verschiedenen Portalen über mich, glücklicherweise nicht namentlich.

Ich war sehr verunsichert, alte Glaubenssätze plagten mich und somit verbrachte ich den Rest des Sonntages im Netz, mit Recherchen zu der Meditation, der Demo, der Attacke. Nebenbei schrieb ich mit einem Freund, der politisch deutlich fitter ist als ich, und setze mich mit verschiedenen Themen auseinander. 
Bei Facebook schrieb ich über meinen Eindruck zur Meditation, zur Demo und zu meinem Bedürfnis mich selber zu informieren anstatt etwas aus meinem Profil zu löschen, weil „jemand über jemanden etwas behauptet“. Und ich erbat mir die Möglichkeit, mich selber informieren und mir ein Bild machen zu können.

Tatsächlich fand ich Informationen im Internet, die „wenn ich will“, Schlüsse zur rechten Szene zulassen könnten. Wenn ich jedoch versuche neutral darauf zu schauen ist es so, dass ich es auch anders betrachten kann. Mit welcher Brille betrachte ich die Dinge eigentlich? Gibt es für mich überhaupt noch einen Diskurs, wenn ein Mensch behauptet, dass ein anderer Mensch rechts ist? Ich ertappte mich dabei, dass ich einen Menschen sehr schnell nicht neutral betrachte, wenn ein anderer behauptet dieser sei rechts. Aber ist das fair? Aufgrund einer Behauptung jemanden zu diffamieren, außer Acht zu lassen oder ihm keine Chance zu lassen. Gestern bei Facebook wurde schnell deutlich, dass ich im Grunde keine Chance hatte. Ist es nicht auch so, dass ein Mensch vor Gericht so lange als „unschuldig“ betrachtet wird, bis bewiesen wurde dass er schuldig ist. Aber ich persönlich stehe ja nicht vor Gericht.

Aber ich selber, wie schaffe ich es dennoch, einen Menschen unschuldig, oder besser, nicht stigmatisiert zu lassen? Oder eine Veranstaltung? Oder eben ein Thema? Wenn es nicht mehr um den Inhalt geht, sondern die politische Gesinnung so im Vordergrund steht, das keine Auseinandersetzung mehr sein darf/ kann. 

Diese Demo, die ja nun jede Woche Samstag stattfindet, „könnte“ also nun von Menschen veranstaltet sein, deren politische Orientierung nichts mit mir zu tun hat – der Inhalt, um den es sich dreht der bewegt mich hingegen sehr – darf ich dann trotzdem dorthin gehen? 

Von einem anderen Freund wurde ich heute früh gefragt, wie denn mein Gefühl zu dieser Veranstaltung ist. Durch seine Frage wurde mir klar, dass ich die Verbindung zu meinen eigenen Gefühlen immer wieder vollkommen verloren hatte. Ich war nur mit der Angst beschäftigt, dass ich einen Fehler mache oder das jemand über mich denkt, dass ich rechts sein könnte. Das mit den Fehlern ist sehr alt, es gibt einen Glaubenssatz der heißt: „Ich darf keine Fehler machen“ oder „Wenn ich etwas falsch mache, bin ich nichts mehr wert“.

Die beiden letzten Absätze machen mir deutlich, dass ich mich Aufgrund meines Rufs und meiner eigenen Glaubenssätze nicht traue. Wenn ich aber auf meinen Bauch höre und mir die Wichtigkeit unserer Grundrechte präsent mache, dann sollte ich gehen.

Grade rief eine Kollegin von mir an, weil ich sie heut früh nach ihrer Meinung zu dem Thema befragt habe. Was an unserem Gespräch sehr spannend war, dass sie mich darauf aufmerksam gemacht hat – dass es eigentlich schon sehr lange keinen offenen Diskurs zu vielerlei Thematik gibt. Jede/r beharrt auf seiner Meinung, seiner Wahrheit oder seinem Recht und es gibt dadurch keine Basis für einen Konsens. Vermutlich ist das der Grund warum solche Dinge grade jetzt so massiv an die Oberfläche kommen, und wir merken, dass wir alle einander keine Chance mehr geben. Ich schreibe jetzt wir, weil ich mich daran erinnere, dass ich mich selber auch gerne auf das was ich glaube berufe und der andere mit seiner Meinung bei mir nicht selten keine Chance bekommt.

Ich bin schon sehr tolerant und respektvoll und habe eine große Akzeptanz für alles Mögliche – das ist auch ein Teil von mir persönlich und meiner beruflichen Leidenschaft – aber wenn ich ehrlich sein darf, gelingt mir das eben auch nicht immer. 

Die eine Frage bleibt, wie kann es uns gelingen wieder „miteinander“ in Kommunikation zu kommen? 

Strategien der Prostitutionsgegner*innen

Gerade habe ich einen Artikel aus der Emma gelesen und sehr lange darüber nachgedacht, ob ich bei Twitter darauf antworte. Ich habe angefangen zu schreiben und egal was ich in den Tweet bringen wollte, alles klang nach Rechtfertigung. Wer von euch also mal einen sehr strategischen Artikel von Prostitutionsgegner*innen lesen möchte, hier ist er: Die Chance zum Ausstieg.

Mich nervt diese nicht konstruktive Art sehr und macht mich ohnmächtig und wütend. Somit möchte ich heute ein wenig über die Strategien und Taktiken der Gegnerfront schreiben, damit deutlich wird womit wir es eigentlich zu tun haben. An gewissen Stellen macht es überhaupt keinen Sinn in eine Auseinandersetzung zu gehen, da durch diese Strategien niemals ein offener Diskurs entstehen wird.

Wirklich gut, dass ich grad soviel Zeit habe „dank Corona“ diesen Gedanken zu“Papier“ zu bringen.

Das fällt mir wieder der Tweet der Frau B. ein, den sie am 13. März 2020 bei Twitter veröffentlicht hat, in dem sie unter anderem auf meine Kosten darüber spottet, dass „Man(n) ja schon mal üben könne“. Dieser besagte Spott -Tweet wird ganz unten in dem Artikel der Emma sogar gehypt, was ich persönlich peinlich und erschütternd finde. Solch eine Aussage ist für alle Sexarbeiter*innen, die wegen Corona mit einem Arbeitsverbot belastet sind, einfach nur verachtend. Frau B. freut sich ganz offensichtlich darüber, dass diese Frauen, Männer und Trans-Menschen in kürzester Zeit ihre Mieten nicht mehr zahlen können.

Die Prostitutionsgegner*innen insbesondere hier in Stuttgart, Sisters eV. und Rotlichtaus oder IchBinKeinFreier sind unterschiedliche Vereine und Kampagnen der Gegnerseite, die schon viele Jahre an einem Teppich gegen Sexarbeit knüpfen. Allesamt sind ausschließlich daran interessiert Sexarbeit in jeglicher Form zu beenden. Mir scheint, diese Gegner*innen sind sehr gut darin gecoacht und geübt sind, zu argumentieren, um von sich selber abzulenken und um ein ganz bestimmtes Bild von Sexarbeit in der Welt zu verbreiten, dass gewiss zwar „einer“ Realität entspricht aber niemals die gesamte Bandbreite einbezieht.

Zurück zu den Strategien, eine weit verbreitete Taktik ist es, die Fronten zu spalten. Wie auch in dem oben genannten Artikel, wird stets versucht unter Sexarbeiter*innen und auch in der Gesellschaft in „quasi“ gut und böse zu spalten. Die guten Sexarbeiter*innen die viel Geld verdienen und gute Bedingungen haben, sind die privilegierten und die anderen sind die Opfer, die die man retten muss. Und um zurück zu kommen zu dem Bild was von der Gegnerseite propagiert wird – es handelt sich ausschließlich um DAS Bild des Opfers was verbreitet wird – nur darum drehen sich grundsätzlich alle den Diskussionen. Das beutetet es kann niemals ein offener Diskurs entstehen, weder mit einem zwanghaften Erhalt von dieses Bildes, noch mit einer derartigen Spaltung. Im Bezug auf die Spaltung sollte ich noch erwähnen, dass immer wieder dargelegt es, dass wir „privilegierten“ Sexarbeiter*innen nicht mitreden dürften, weil wir ja „gaaar keinen“ Vergleich geben. Entmachtung ist dann wohl ein weiterer Strategiepunkt.

Für einen offenen Diskurs, wäre es jedoch von grundlegender Wichtigkeit, dass allen KLAR wird, dass rechtlich alle Bereiche der Sexarbeit, im ProstituiertenSchutzGesetz gleichermaßen abgehandelt werden. Tantrastudios, Laufhäuser, BDSM-Studios, Sexarbeit in Wohnmobilen, auf dem Straßenstrich, Personen die in Swingerclubs animieren… Die Liste ist lang und im ProstSchG wird eben nicht in „gut“ und „böse“ getrennt. So lang wie diese Liste ist, wird deutlich, was alles Sexarbeit ist – und glaubt mir – der Anteil an Sexarbeiter*innen, der nicht zu der vermeintlichen Kategorie „Opfer“ gehören ist erstaunlich groß.

Ach und hier sei auch nochmal der Punkt Menschenhandel und ZwangsProstitution erwähnt. Allen sollte ebenfalls KLAR sein, das Menschenhandel gesetzlich geregelt ist und das das Wort ZwangsProstitution eigentlich ein Unwort ist. Sex unter Zwang ist Vergewaltigung und das wiederum ist strafrechtlich auch geregelt. Da sind wir bei der nächsten Strategie angelangt. Dramatisieren mit schlimmen Beispielen und schlimmen Worten. Auf der Gegnerseite ist es sehr weit verbreitet nur mit traurigen, dramatischen und bildhaften Beschreibungen zu argumentieren. Skandalisierte Bilder setzen sich natürlich schnell in den Kopf der Menschen, vor allem denen, denen die breite Vielfalt der Sexarbeit nicht klar ist.

Ein weiterer Punkt, der in dem Artikel auch gut erkennen ist, ist „Angriff ist die beste Verteidigung“. Bei dem Akt, den Berufsverband für erotische und sexuelle Dienstleistung so anzugehen, verschiebt das Thema vollkommen. Im Tweet um den Artikel herum ging es im die Frage, was die ganzen Vereine z.B. Sisters denn aktuell tun, um Sexarbeiter*innen die kein Geld verdienen können, zu unterstützen. Wenn man die Kommunikationen verfolgt, wird schnell deutlich das diese Organisationen wenig bis gar nicht dazu beitragen, die Bedingungen für Sexarbeiter*innen wirklich zu verbessern. Um das zu verschleiern, wird mit Gegenfragen und mit Angriffen agiert. Im Artikel wird der BerufsVerband angegriffen, Argumentiert wird mit Dingen die bisher noch nicht getan wurden. Vorhin habe ich wirklich lange darüber gegrübelt, was ich bei Twitter dazu schreiben kann – aber mir fiel nicht ein, was nicht nach Rechtfertigung klingt. Und ich bin Mitglied im BesD, ich könnte also eine Menge erzählen, von dem was alles wirklich passiert um die Bedingungen für Sexarbeiter*innen, insbesondere im Bereich der prekären Sexarbeit, zu verbessern. Solch ein Handeln weist die GegnerSeite eben nicht auf – deswegen feinden sie den BesD an. Ach und der BesD wird in dem Artikel „LobbyVerband“ genannt – eine weitere Taktik um quasi Fakten zu verwaschen, denn dr Berufsverband ist ein Verband aus aktiv arbeitenden Sexarbeiter*innen. Das Wort LobbyVerband in dem Artikel hinlässt einen schrägen Beigeschmack und zielt (in meinen Augen) scheinbar darauf ein Bild zu hinterlassen, das etwas mit Zuhälterei zu tun hat. (Aber vielleicht bin ich da auch gerade sehr empfindlich)

Ach, Spott ist auch eine gängige Taktik. Hier ein Zitat aus den Emma. „Apropos geiler Job“ Wir erinnern uns an Vertreter*innen der ProProstitutionsLobby, die in Talkshows Mantren der glücklichen Prostituierten herunterbeten….. Ja, da werden auf spöttische Weise, die öffentlichen Auftritten der wenigen Sexarbeiter*innen, die für Anerkennung, gute Bedingungen und Differenzierung der Sexarbeit auftreten, verzerrt und nicht erstgenommen. Apropos „Ernstnehmen“ – ernst genommen wird von der Gegnerseite selten jemand, der in der öffentlichen Diskussion, versucht pro Sexarbeit zu argumentieren.

Und, es wird in der Gegnerfront sehr häufig mit Zahlen jongliert, also mit vermeintlichen Fakten, die jedoch keine sind. Nirgendwo gibt es auch nur einen Ansatz, eine Studio oder Statistik etc. die die Zahlen die z.B. im Text genannt werden, unterstützen. Die 90 Prozent sind schlicht und ergreifend gelogen. Naja, sie wären vielleicht nicht, wenn man ausschließlich von dem Standpunkt Menschenhandel und Armutsprostitution ausginge. 😂 Tut man ja aber nicht, denn wie WIR wissen ist Sexarbeit weitaus mehr.

Ach, ich könnte den Artikel noch weiter auseinander pflücken, könnte mich richtig in Fahrt bringen, aber dann weiche ich zu sehr von den Strategien ab, die ich deutlich machen wollte.

Aber ich fasse die Strategien und Taktiken nochmal zusammen:

  • Spaltung unter Sexarbeiter*innen
  • Angriff ist die beste Verteidigung, Fragen werden mit Gegenfragen oder Angriffen abgewehrt
  • Entmachtung der Sexarbeiter*innen
  • Verbreiten von Unwahrheiten = Lügen
  • Dramatisieren und skandalisieren von einseitigen Bildern und Sprache
  • Nur ein Bild von Sexarbeit gelten zu lassen
  • Spott