Das Prostituiertenschutzgesetz

Meine Follower bei Twitter haben sicher schon bemerkt, dass ich mittlerweile das ein oder andere Mal bezüglich des ProtsSchG aktiv und auch „reaktiv“ werde. Auch in Gesprächen taucht das Thema mit Freunden und Gästen regelmäßig wieder auf. Deswegen habe ich mich entschieden hier etwas darüber zu schreiben.

Das ProstSchG ist seit 1. Juli 2017 für eine Übergangsphase und seit dem 1. Januar 2018 rechtlich aktiv in Kraft getreten.

Das Gesetz (…und die Folgen die damit einher gehen), ist für alle Frauen die „selbstbestimmt“ als SexarbeiterInnen beschäftigt sind, im Grunde genommen eine Farce. Ausgangsposition für war ursprünglich „angeblich“ „die Eindämmung“ von Zwangsprostitution und Menschenhandel. Aber seien wir mal realistisch, „welche illegale Sexarbeiterin aus Menschenhandel wird bei einer Beratung im Gesundheitsamt auftauchen?“ „Keine natürlich!“ Das bedeutet genau das, dass illegale Prostitution und die Frauen, die sich sowieso niemals hätten registrieren lassen, weiter in den Bereich der Dunkelziffern rutschen, als je zuvor. Meines Erachtens nach geht es um Kontrolle und um Eindämmung von Sexarbeit, wie wir in politischen Diskussionen um das schwedische Modell ja zeitnah auch beobachten können.

Erschwerte baurechtliche Genehmigungen, Registrierungspflichten, Gesundheitsberatungen, Informationsberatungen, KondomPflicht, sehr umfassende und komplizierte gesetzliche Vorlagen für Betreiber sind Stichworte um die es geht – nicht zu vergessen die Datenschutzrechte von Frauen, die im Grude verfassungsrechtlich nicht vertretbar sind. Die Bundesländer gehen mit diesem Gesetz übrigens unterschiedlich „streng“ um – in Leonberg wurden bereits am 2. Januar 2018 fünf Etablissements geschlossen – scheinbar ist „Sexarbeit“ dort nicht erwünscht. Die Behörde von Stuttgart ist immer noch in Arbeit, wobei auch einige Studios hier bereits freiwillig geschlossen haben bzw. schliessen mussten. Siehe hier: Stuttgarter Nachrichten

Nach diesen zwei Jahren, hat dieses Gesetz nicht nur Auswirkungen auf Bereiche in denen Frauen mit Sexualität arbeiten. TantaStudios, Swingerclubs, Laufhäuser, BDSM-Studios, PartyLocations die z.B. FetischVeranstaltungen organisieren. Sondern auch private Frauen, die sich auf z.B. Playparties amüsieren wollen, sind teilweise unangenehmen Kontrollen ausgesetzt, wenn sie zur falschen Zeit am falschen Ort sind. Natürlich sind auch männliche, sowie trans Sexarbeiter davon betroffen, was letzten Endes jedoch nicht die breite Masse ist.

Vor etwa einem Jahr habe auch ich mich der stigmatisierenden Sonder-Registrierungspflicht für Sexarbeiter unterwerfen müssen, und besitze Seitdem einen „Hurenausweis“. Diesen muss ich immer bei mir tragen, wenn ich im Studio tätig bin. Sollte dies nicht der Fall sein, droht mir ein Bußgeld in Höhe von 1000€. Einmal im Jahr muss „Frau“ sich nun im Gesundheitsamt einer Informativen Beratung (im Grunde eine Art der Ausstiegsberatung) und einer Gesundheitsberatung unterziehen. Ach, da fällt mir ein „ich muss schon wieder“…. Absurd, das ich mir das – nachdem ich 15 Jahre in der privaten SM-Szene unterwegs bin, mit Tantra arbeite und als Therapeutin tätig bin – nun einmal im Jahr anhören muss. 45 Minuten zu Themen wie Geschlechtskrankheiten, Verhütungmittel, Benutzung von Kondomen (obwohl ich keinen Verkehr anbiete) und wie ich mich bei Schwangerschaft in der Prostitution verhalte – sowie 45 Minuten zum Thema ob ich mich mit meiner Arbeit wohl fühle, was es für Alternativen gibt…. Da fühle ich mich als Frau ja so überhaupt nicht ernst genommen.

Auch Themen wie Datenschutzverletzungen und Zwangsoutings sind trauriger weise mittlerweile für viele Frauen Realität geworden. Auch wenn ich, glücklicherweise, keine Angst vor einem Zwangsouting haben muss, da ich keine zweite Identität in meinem Leben habe, finde ich das was diesbezüglich passiert schrecklich. Viele Frauen benötigen, aus Gründen des massiven Stigmata in unseren Beruf, eine zweite Identität weil sie z.B. studieren, in leitenden Postionen arbeiten oder Kinder haben. Mit dem Hurenausweis und der Registrierung gerät das alles ins wanken.

In einem therapeutischen Arbeitskreis beschäftige ich mich gerade, unter anderem, intensiv mit Frauenrechten und mit Matriarchatsforschung. Das passt wunderbare zu der Thematik der Entmachtung der Frau mit diesem Gesetz. Scheinbar ist es für mich, wie bereits erwähnt, nun an der Zeit um politisch aktiver zu werden und Zeit für mehr Vernetzung – „also auf zum Hurenkongress nach Berlin!“. Auch wenn ich mich selber mit dem Namen des Kongresses nicht wirklich identifizieren kann, werde ich zusammen mit meinen beiden Freundinnen Lady Leona und Alraune daran teilnehmen.

Gute Literatur zum Thema sind übrigens Bücher von einer lieben Freundin, Undine: Hurenmanifest und auch von Ilan Stephanie: Lieb und Teuer

Wer ansonsten etwas mehr wissen oder unseren Berufszweig unterstützen möchte, findet Weiteres hier: Berufsverband Sexarbeit

Herzlichst Daria

2 Antworten auf „Das Prostituiertenschutzgesetz“

  1. Liebe Lady Daria,

    Ihren Ausführungen kann ich nur zustimmen, obwohl ich mich an Zeiten erinnern kann, wo wir Prostituierten (damals Transvestit) auch schon einen Hurenschein mit uns tragen mussten und – ich glaube es war monatlich – auf dem Gesundheitsamt uns zur Untersuchung zu melden hatten. Allein, eine „Beratung“ gab es nicht.
    Liebe Grüße an Sie, Lady Sharka und das gute alte S.Ex. – leider vor Ihrer Zeit.

    1. Hallo Wonderman,
      es würde mich schon interessieren, wer sich hinter Deinem Namen verbirgt. Danke für Deinen Kommentar 🙂 Na klar, gab es auch andere Zeiten…wenn alles so bliebe, wärs ja okay – sicher bin ich da noch nicht – die Diskussion über das „schwedische Modell“ bereitet mir grad etwas Sorge…
      Lieben Gruß Daria

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