Update vom 24. März 2020

Nachdem ich jetzt gerade mit einer Freundin telefoniert habe und sie sich über die Beschreibung meines FingernagelFouls halb tot gelacht hat, dachte ich, ich ergänze den gestern geschriebenen Beitrag noch schnell mit einer lustigen Anekdote.

Probleme, die das Leben schrieb 😂

Ich habe seid einigen Wochen künstliches UV-Gel auf meinen Fingernägeln. Ich mag künstliche Nägel nicht sonderlich, da meine eigenen aber immer so dünn und splittrig sind, habe ich sie verstärken lassen.

In Zeiten des Corona haben aber „natürlich“ sämtliche Nagelstudios geschlossen. Und meine Nägel sahen nun zunehmend schrottiger aus. Also habe ich vor einigen Tagen begonnen sie langsam ab zu pfeilen. Drei Tage hat das unterfangen gedauert – eine Nagelpfeile habe ich dabei zu Grunde gerichtet und seit heut früh nun auch meine eigenen Fingernägel 🙄

Das Gel ist sehr hartnäckiges Zeug und man braucht Geduld und scheinbar auch ein besonderes Feingefühl – dass ich wohl nicht besitze, denn meine Nägel sind nun so dünn, dass es weh tut wenn ich irgendwo gegen komme.

Wunderbar – dann habe ich also, nach der Hausarbeit und nachdem was Frau eben so tut, stundenlang in der Küche gesessen und drei Schichten Nagellack aufgetragen und trocknen lassen. Ach wusstet ihr, dass man mit künstlichen, sowie mit „fast gar keinen“ Fingernägeln Dinge von Boden so ziemlich gar nicht aufheben kann? Eben ist mit beim Kochen ein Stück Zwiebel runter gefallen – ich brauchte fünf Anläufe um es wieder aufzuheben 😳

Da ist die Frage „ob ich verrückt werde“ doch irgendwie naheliegend. Ich habe einfach viel zu viel Zeit. In normalen „nichtCoronaAlltag“ passiert mich so ein Schnickschnack nämlich nicht.

(…In Gedanken lache ich selber nochmal laut über meine Freundin, die am Telefon nicht aufhören konnte zu lachen….und natürlich lache ich über mich selbst…)

Einen heiteren Abend wünsche ich euch.

Ein normales langweiliges Leben? Lustige Gedanke einer ganz normalen Frau 😉

Sexarbeiter*innen sind übrigens ganz normale Menschen! Wie normal, werdet ihr jetzt lesen – also lasst euch von niemanden einreden, dass Sexarbeiter*innen nicht normal sind. Wobei ich scherzeshalber des Öfteren denke, dass ich definitiv nicht normal bin.

Aber – was ist schon normal?

Gestern ist mir aufgefallen, dass mir mittlerweile immer mal wieder langweilig ist. In einem Zustand mit zwei Jobs, Hobbys, Freunden, zwei Ausbildungen und dem vielen Reisen durch Deutschland ist mir Langeweile relativ unbekannt.

Die Tage im Rückzug ziehen so dahin und ich bemerke von Tag zu Tag, dass ich mehr und mehr entspanne und ruhiger werde. Einfach mal in der Sonne sitzen und einen Kaffee trinken, ohne Handy, ohne Buch, ohne etwas anderes. „Herrlich!“ Für mich ist diese Zwangspause wirklich gut – ich hatte lange keinen richtigen Urlaub und auf Grund meiner Art zu leben, wirklich wenig Ruhe – jetzt ist sie da, die lang ersehnte „Zeit!“

Noch bin ich nicht in der vollkommenen Entspannung angelangt. Es gibt einen Zustand der besonderen Entspannung, in dem ich gerne Bücher lese, stundenlang. Häufig „muss“ ich Dinge lesen – was dazu führt, dass ich schon mal gar keine Lust mehr habe. Dann kämpfe ich mich durch einen Text. Um aber in einen „LeseEntspannungsZustand“ zu kommen, muss erstmal mein ganzes System einmal runter fahren und dann ist’s soweit und ich sitze stundenlang über einem Buch und geniesse es.

Da bin ich gerade noch nicht angekommen, ich habe hier und da natürlich noch Aufgaben, Rechnungen, Bankgeschäfte, OnlineSkypeTermine, Prozesse zur Entwicklung von GeldeinnahmeQuellen. Durch das existenzielle Thema, das nebenher intensiv arbeitet, scheint es länger zu dauern bis ich im „LeseEntspannungsZustand“ landen kann. Daneben ist es allerdings wunderbar zu spüren wie Langeweile sich trotzdem, in mein Leben, einschleicht.

So zum Bespiel: Normalweise bin ich ein sehr ordentlicher Mensch. Beim Kochen ist es beispielsweise so, dass irgendwann das Essen auf dem Tisch steht und die Küche wieder blitzblank ist. Während ich in meinem wunderbar trubeligen Leben, alles ganz schnell nebenbei mache, läuft es während Zeiten des Corona vollkommen anders. Mit dem Hintertürchen, dass ich ja sooo viel Zeit habe, bleiben plötzlich überall meine Sachen liegen, weil ich sie nicht, wie gewohnt sofort weg räume. Dann komme ich plötzlich fast überrascht in die Küche, sehe das Chaos und wundere mich darüber…darüber dass ich nun dass fünfte Mal Sachen habe liegen lassen, da ich ja soooo viel Zeit habe. Gestern Abend habe ich mich dann mal selber dazu aufgefordert meine Häufchen überall weg zu räumen und jetzt gerade sieht es hier wieder so ordentlich aus wie sonst. Innen wie außen, eine Floskel aus dem Therapeutischen, kommt mir da in den Sinn 🙄 Dort wo ich sonst innen und außen eher geordnet bin, kommt Leben mit ins Spiel. Spannend, dass so beobachten zu dürfen.

Ich schrieb ja bereits, das Menschen in meinem Berufsstand ganz normale Wesen, mit vermutlich ganz normalen Themen sind. Und für die unter euch, die es interessiert schreibe ich (in einem Anflug langer Weile) noch ein paar Dinge aus meinem jetzigen Alltag. Gestern habe ich z.B. das Vogelhäuschen repariert und vorgestern auf dem Hausdach, in der Sonne, Yoga gemacht.

Gewisse Aufgaben bleiben im Alltag ja gerne mal liegen, weil die dazugehörigen Arbeitsschritte aufwendig oder vielschrittig sind.

(….Wortschöpfung aus Langeweile? Oder gibt es dieses Wort wirklich, fragt mich mein Kopf – und da ich keine Lust zum googlen habe, schreibe ich einfach diesen Text in die Klammern – oh mein Gott „bin ich eigentlich verrückt geworden?“ fragt mich die Stimme wieder 😂).

Also vielschrittig war auch der Vogelhausprozess (noch eine wortschöpfung) Das Häuschen war mehrfach umgefallen und ich hatte es jedes Mal, mit vielen Nägeln, wieder zusammen gezimmert. Beim letzten „Umfall“ wurde deutlich, dass es so nicht noch einmal funktionieren wird. Bei einer erneuten Reparatur würde ich zu besseren Maßnahmen greifen müssen. Akkuschrauber (meiner hatte das ewige gesegnet) Schrauben, Holzleisten waren von Nöten. Es war also klar, dass ich vorher in den Baumarkt muss, also lag das Häuschen schon etwas länger herum, natürlich weil ich so wenig Zeit hatte.

Ein Leben in Zeiten des Corona, bringt auch Zeit für den Baumarkt mit. Freitag war ich also endlich mit einer Freundin im Baumarkt…

(…darüber könnte ich auch lustige Geschichten, mit dem Titel „Baumarkt in Zeiten des Corona“, schreiben. Es war wirklich der schrägste BaumarktBesuch meines Lebens. Aber, das lasse ich aber jetzt besser – mein Gehirn scheint gerade alles was ich denke umgehend verschriftlichen zu wollen – auch ein ganz neuer Zustand)

Der Akkuschrauber hat mir gestern dann den Tag gerettet. Hätte ich versucht, mich dem Häuschen ohne ihn auch nur zu nähern wäre es sehr, sehr, sehr, sehr schwierig geworden und vermutlich hätte ich am Ende das Vogelhaus vom Vordach geworfen.

Ich habe alles auseinander gebaut und doppelt und dreifach stabil wieder zusammengebaut – was nicht so einfach war – denn das Haus war von der Produktion her schon ziemlich labbrig hergestellt. Ein paar Stunden später habe ich es dann in die Blumenkästen eingebuddelt und es beobachtet – Frau hat ja viel Zeit 😉

So saß ich dort mit meinem Kaffee und meiner Mitbewohnerin auf dem Dach und während sie mir lustige Geschichten von schrägen Prinzessinnen (von Walter Moers) vorlas, fiel mir dann plötzlich ein (kreative Ideen entstehen immer in Zeiten der Ruhe und niemals im Stress) wie ich das Vogelhäuschen so stabilisieren kann, dass es nicht im nächsten Sturm erneut die Biege macht. Und nun, am nächsten Tag, hängt an vier Punkten des Häuschens, an einem Punkt zusammenlaufend ein Sandsack darunter und das Vogelhäuschen wackelt überhaupt nicht mehr! Es sieht absolut bescheuert aus aber ich gehe einfach von dem Gedanken aus, das die Vögel trotzdem glücklich und statt werden.

Mhhh, ich sitze hier und schmunzele über mich…

(…während mein Hirn mir versucht mir lustige, böse und verrückte Dinge über mich einzutrichtern, darüber warum ich diesen Text besser löschen als veröffentlichen soll. Ich kann es doch nicht wagen, EUCH allenernstes einen riesigen Absatz über meine VogelhausReparatur zu schreiben)

…und über den Text schmunzele ich auch. Und ich veröffentliche ihn trotzdem, damit ihr wisst, was ich so treibe.

Corona bzw. Langeweile und bringt erstaunliche Dinge in mir hervor – bei euch auch? Denn, ich schreibe hin und wieder schon gerne Texte, aber das ich nicht aufhören kann und will, ist NEU. Also falls ihr bis hierher gekommen seid, „Hut ab“ schlimmer wird es nicht.

Was ich aber auch noch schreiben wollte ist es, dass ich meine Arbeit sehr vermisse. Gestern habe ich bei Twitter einen wunderbaren Artikel einer tollen Kollegin aus Berlin gelesen. Kristina Marlen hat darüber geschrieben warum sie ihre Arbeit so sehr vermisst. Beim Lesen ihres Textes habe ich Sehnsucht und Angst bekommen. Ich habe Angst davor bekommen, dass ich wirklich bis zum 15.6. (Eine Ansage explizit von der Stadt Stuttgart) meine Arbeit nicht ausüben darf. Ich liebe meine Arbeit und brauche sie im Grunde genommen auch, bei weitem nicht nur zum Geld verdienen. Die Intimität, die Nähe, der Kontakt, die Erregung…. Einfach fantastisch!

Wusstet ihr, dass der Körper Stresshormone ausschüttet, wenn er alleine ist? Der Mensch ist von Natur aus kein Einzelgänger. Und wusstet ihr, dass Umarmungen, die mindestens 20 Sekunden lang andauern, antidepressiv wirken?

Und ich brauche und liebe körperliche Nähe, ich liebe es wenn meine Hände, meine Haut, mein Körper sich an anderen Körper schmiegen kann. Bis Juni kann ich deswegen ganz sicher nicht ohne meine Arbeit sein, dann werde ich ggf. vorübergehend in Hamburg oder in Berlin gastieren, um mich weiterhin in meiner Arbeit zu verwirklichen zu dürfen.

In jedem Falle bin ich ganz glücklich darüber, dass ich nicht alleine lebe. Und ich bin froh darüber, dass ich eine Hand voll Kontakte pflege kann. Ich verhalte mich brav und safe, ohne Kontakt zu Menschen aus der Risikogruppe. Die Kontakte jedoch, die ich habe finden auch mit Umarmungen und ganz alltäglicher Nähe statt. Es ist wirklich wichtig für das Immunsystem, dass Angst nicht das Geschehen regiert. Das war dann wohl die Therapeutin in mir – aber das musste gesagt werden.

Also, soviel erstmal 😉 sollte ich noch mehr Langeweile haben, melde ich mich wieder… Ist immerhin mein Blog!

Passt bitte auf euch auf und lasst es euch gut gehen.

Herzlichst Daria

P.S.

Noch etwas in eigenem Interesse für alle die mich/bzw. meine Freundinnen und mich unterstützen möchten.
Ich wurde mittlerweile mehrfach gefragt, wie man uns unterstützen kann? Amazongutscheine machen keinen Sinn – PayPal, LebensmittelGutscheine für Rewe, Alnatura oder DM sind einfach besser – denn mit Amazon gehen die überlebenswichtigen Dinge leider nicht. Und bei uns geht es nun mal um existenzielle Dinge, Essen und Trinken, Mieten, Versicherungen etc.

12 Antworten auf „Update vom 24. März 2020“

  1. Verehrte Miss Daria,

    danke für diesen schönen Blogbeitrag und dass Sie uns Leser*innen an Ihrem Leben in der Zwangspause von der Sexarbeit teilhaben lassen. Ich finde es sehr tröstlich, Ihnen wenigstens auf diesem Weg noch begegnen zu können. Auch wenn das niemals die persönliche Begegnung und die körperliche Nähe ersetzen kann.

    Ich würde mich sehr freuen, wenn Sie uns in den nächsten Tagen mit weiteren Beiträgen dieser Art beschenken würden.

    In der Hoffnung, das die Pandemie hoffentlich bald wieder eingedämmt werden kann und ich Ihnen dann wieder persönlich begegnen darf,

    grüßt Sie Ihr treu ergebener

    Femdomdiener

    1. Danke sehr, mein lieber FemDomDiener 🙏 Wir werden uns sicher bald wieder persönlich. Bis dahin halte ich Dich und alle anderen auf dem Laufenden – mir wird mit der Langeweile sicher nicht langweilig…

  2. Ach ja wie schön das du einem so einen doch liebevollen Einblick deines doch irgendwie „Chaos“ lieferst…Ich mag Menschen die auch so was mal zeigen können, und nicht sich hinter der Rolle verstecken…

    In den Zeiten wird einem doch auch mehr wieder bewusst, was wirklich wichtig ist im Leben…Das man um das nackte Überleben kämpfen muss, und doch passieren die kleinen Dinge des Lebens die einem zum Nachdenken anregen. Oder so eine coole Sache wie Yoga auf dem Dach…

    Ich wünsche dir trotz allem eine spannende Reise durch deine Langeweile und auch auf die Texte die du jetzt so verfasst…

    Und ja von dir hätte ich gerne mal eine eine Erklärung „was ist Normal“*g*…

    Danke dir einfach für deine Texte und das du einem da so teilhaben lässt…Denke an dich und deine Kollegin aus Stuttgart und will dich und die anderem im Sommer beim CSD sehen…und wie ihr versucht mich daran zu hindern nackt zu rollen*lachen*

      1. Verrückt bin ich gerne, und das erheitert doch den Tag…und frech bin ich nie*lach*….oder meistens doch…ja nun kann nicht anders…ist mein Doret…*g*

        Und schön weiter schreiben ja…ich finde jetzt werden deine Texte wirklich spannend…und wie gerne wäre ich jetzt gerne Life bei dir…ich glaube das wäre mit dir schon Filmreif…

        PS: wie kriegt man Profilbilder hier rein?

          1. Na ich würde das Buch sogar kaufen…und bin sonst kein Bücherwurm…und dann aber bitte mit einem Autogramm in schön Schrift bitte…

            Also hopp hopp schön weiter Texte schreiben…und mir gehts gut*lach*

  3. Liebe Daria,

    es ist schön, dass es dir gut geht und dass du das Beste aus der Situation machst. Mir gelingt das leider nicht immer so gut, die psychische Belastung ist schon enorm.

    Zum Glück kann man sich auch aus der Ferne verbunden fühlen. Hoffen wir trotzdem, dass dieser Zustand nicht allzu lange andauert und dass wir in absehbarer Zeit zur Normalität zurückfinden können Wir haben dann sicher alle ganz viel nachzuholen, auch in Sachen BDSM 🙂

    dein
    Adrian

  4. Danke Daria.
    danke für diesen wunderbaren Einblick in das Leben einer ganz normalen wunderbaren Frau in Zeiten wie diesen.
    Ich denke einigen von uns leben jetzt völlig anders. Ich kann dem zur Zeit auch sehr viel abgewinnen.
    Ich habe noch das Glück das ich einen großen Garten dazu habe, der jetzt wirklich viel Freude macht.
    Ich wünsche Dir/Euch eine weiterhin ruhige und entspannte Zeit. Alles Liebe von Christian

    1. Ach, herzlichen Dank für Deinen lieben Kommentar. Ein Garten wäre jetzt wirklich wunderbar – da bin ich ein bisschen neidisch. Aber wir haben immerhin dieses feine Dach – was für ein Glück. Eine Wohnung ohne Balkon wäre tausend mal schlimmer. Ich hoffe ihr Menschen und den Wohnblöcken kommt hin und wieder raus und lasst es euch trotzdem gut gehen.
      Alles Liebe für euch und auch für Dich Christian.
      Daria

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