Und was sonst noch so passierte…

Liebe Leser*Innen, liebe Freund*Innen, liebe Gäste,

es war hier in letzter Zeit sehr still um mich hier und auch bei Twitter. Aber gibts nun nen kleinen Überblick über das was hier so passiert ist – ich war alles andere als untätig.

In den vergangenen Wochen war wirklich viel los und es gab Tage, da wusste ich gar nicht mehr wo mir der Kopf steht.

Und leider stand mir lange nicht der Kopf danach, mich mit meiner Arbeit als Sexarbeiterin im Rahmen von Erotik und Sexualität zu beschäftigen. Ich vermute einige von Ihnen/von euch vermissen diese Auseinandersetzung. Jedoch ist der Kampf um Rechte und um eine Ernstnahme in unserem Arbeitsfeld insbesondere in Stuttgart aber auch grundsätzlich ist sehr kompliziert. Ich glaube tatsächlich, dass wir in Deutschland aufpassen müssen, dass wir nicht wirklich auf ein Sexkaufverbot zusteuern oder gar in Stuttgart auf ein Bordellverbot. Letzen Endes ist das Thema also absolut existenziell. Jetzt, da ich wieder arbeiten darf (wenn ich denn Zeit habe) ändert sich das mit meinem Fokus vermutlich auch wieder…

Aber nun zu den Geschehnissen der letzten Wochen, am 8. Oktober war ich mit Alraune in Mannheim auf einer „offenen“ Podiumsdiskussion von der dortigen Diakonie zum Thema Sexkaufverbot. Wie sich mit einem Blick auf die Rednerliste zeigte, war diese Veranstaltung alles andere als „offen“. Der erste Redner Herr Sporer, ein ehemaliger Kripobeamter aus Augsburg, zeichnete 45 Minuten polemisch die schrecklichsten Bilder aus Menschenhandel und Zwangsprostitution. Der zweite Programmpunkt war Dr. Heil, Arzt und Psychiater aus Mannheim. Er stand den Worten und Willen seines Vorredners leider in nichts nach. Die Dritte in der Runde war die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Mannheim – sie war (in meinen Augen) in erster Linie daran interessiert, eine gute Außenwirkung dar zu stellen. Und ganz zum Schluss sprach noch kurz der Leiter der Diakonie Mannheim selbst.

Währenddessen habe ich vor Wut auf meinem Stuhl vor mich hin gekocht, verkrampft und gezittert weil ich es kaum aushalten konnte. Es gab die Möglichkeit über Zettelchen Fragen in die Runde zu bringen. Das konnte ich mir natürlich nicht entgehen lassen – meine war erste Frage …nach 90 Minuten „pro Sexkaufverbot“: „Wer von den Anwesenden spricht denn hier mit und für Sexarbeiter*Innen?“

Ich durfte dann sogar zu meiner Fragen nochmal genauer erklären was sie bedeutet, was ich auch tat. Darüber hinaus tat ich an dem Abend mein Bestes um in (geschlagenen 2-3 Minuten) der erkämpften Redezeit die wir bekamen, auf zu zeigen, dass die Runde überhaupt nicht „offen“ war. Und ich versuchte deutlich zu machen warum ein Sexkaufverbot nicht die Lösung sein kann. Fazit des Abends: Eine sehr schwierige Veranstaltung und eine gute Übung für mich um mich in Wut zu beobachten und mich für zukünftige Veranstaltungen dieser Art besser zu wappnen. Dort, wo ich mich normalerweise nicht traue zu sprechen, kann ich dank unglaublicher Wut aufstehen und mich für meine und die Rechte anderer einsetzen.

Die Gleichstellungsbeauftragte hat mich am allermeisten enttäuscht. Sie hat auf meine Kommentare hin Dinge gesagt wie: „Wir können ruhig über Sexarbeitende reden, wir müssen nicht mit Ihnen, wir sind in einer Demokratie!“ Und: “ Prostitution ist keine Arbeit sondern eine Krankheit – und manche Menschen (solche wie ich) können damit besser umgehen als andere!“

Was das mit Gleichstellung zu tun hat, kann ich nicht sagen und lässt mich im Jahre 2020 wirklich verzweifeln.

Was noch so alles geschah:

Am 11. Oktober haben wir, also Johanna Weber, Alraune und ich bei Ophelia, einer Bloggerin auf Twitter einen tollen Podcast aufgenommen. Es ging um die aktuelle politische Lage zum Thema Sexkauf/Sexkaufverbot und natürlich speziell um die Lage in Stuttgart. Die Infos sind klasse, leider der der Podcast hinter eine Paywall, da Ophelia in einem gewissen Rahmen anonym bleiben möchte… Aber falls ihr doch neugierig seid: Hier gehts weiter zum lauschen!

Sei dem 13. Oktober (nach exakt 7 Monaten) dürfen wir endlich wieder arbeiten – aber der Ritt dahin war auch ein ziemlich beschwerlicher. In der Woche vor dem 13. Oktober wurde vor den VGH einer Klage wegen Unverhältnismäßigkeit stattgegeben und somit sollten am 12. Oktober Bordelle/Betriebe in Baden-Württemberg wieder öffnen dürfen. Allerdings wurde von der Stadt Stuttgart die besondere Allgemeinverfügung vom 17. Juli, einem Totalverbot jeglicher Form der Sexarbeit, nicht aufgehoben und sich diesbezüglich auch nicht geäußert. Somit habe ich mit ein paar anderen, am 12. Oktober die Ämter mit Mails und Anrufen bombardiert, damit die Stadt sich diesbezüglich positioniert – was am späten Nachmittag dann auch geschah.

Und es geschah natürlich noch viel mehr, ich habe vor einigen Wochen durch Zufall erfahren, dass am 20.10. der „runde Tisch zu Verbesserung von Prostitution in Stuttgart“ stattfinden wird – natürlich ohne Sexarbeiter*Innen, welch Überraschung. Also habe ich mich dran gemacht, im Namen des BesD an einer Teilnahme zu arbeiten. Meine E-Mail wurde leider ignoriert – fühlt sich auch an wie eine Form von „Hurenstigma“. Vielleicht sollte ich darüber mal einen Bericht schreiben? Seid ihr daran interessiert? Also nachdem meine Mail etwas mehr als eine Woche ignoriert wurde, habe ich es telefonisch weiter versucht und hatte irgendwann Erfolg. Nachdem ich quasi schriftlich verifizieren musste, dass ich bereit bin wirklich an der „Verbesserung der Prostitution“ zu arbeiten, habe ich eine Zusage und die Tagesordnung bekommen. Zwischen der Zusage und dem Termin habe ich mich nochmal unter meinen möglichen Bündnispartner*Innen umgehört, wer ebenfalls dabei sein würde.

Leider wurde der runde Tisch drei Stunden vor Beginn dann plötzlich abgesagt. 🙁 Nichts geklärt zur aktuellen Situation, keine meiner Fragen beantwortet. Ich habe mich stattdessen mit dem Leiter der Aidshilfe getroffen und wir haben uns zu möglichem weiterem Vorgehen ausgetauscht. Er hat mich im Laufe unsere gefragt, ob ich Lust hätte mich für den Vorstand der Aidshilfe Stuttgart vorzustellen und aus der Perspektive auch ein bissel für das Thema Sexarbeit in unserer Stadt mit zu arbeiten. Drei mal dürft ihr raten was passiert ist? Am Freitag wurde ich in den Vorstand gewählt der Aidshilfe Stuttgart gewählt.

Die nächsten Tage habe ich hier auch noch einiges auf dem Zettel, unter anderem meine SexualtherapieAusbildung. Aber ab nächste Woche arbeite ich dann wieder eingermaßen regulär. Eigentlich wäre ich zu dem Zeitpunkt nach Berlin ins Lux gereist – leider haben nach und nach einige meiner Gäste abgesagt und die aktuellen Infektionszahlen sind leider ebenfalls nicht kompatibel.

Ich hoffe alles pendelt sich so langsam aber sicher mal wieder ein. Ich sehne mich na etwa Ruhe und nach ein bissel ganz normaler Arbeit im Salon ?. Apropos Salon Exzentric – wir müssen natürlich nach einem HygieneKonzept arbeiten.

Termine finden natürlich unter anderen Voraussetzungen statt. Die Hygieneregeln haben wir für Sie bereitgestellt. Es finden nur vorher terminierte Sessions statt, Sie müssen außerdem bereit sein, Ihre Kontaktdaten bei uns zu hinterlassen. Also eigentlich genauso wie momentan überall.

Soviel erstmal, nun sind Sie/seid ihr wieder auf dem Laufenden.

Herzlichen Gruß

Daria Oniér

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